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Herrenhut der Ortsname ist ungewöhnlich, auf halbem Wege zwischen Löbau und Zittau, kennt man keine saisonale Auszeit.

1722 schenkte Reichsgraf von Zinzendorf böhmischen Glaubensflüchtlingen eine neue Heimat. Die dankbaren Aussiedler stellten sich fortan „unter des Herrn Hut". Ihr Grundgedanke, den anderen mehr zu achten als sich selbst, wurde von nun an in die Welt getragen, Gottes Lehren sollten picht nur gepredigt, sondern vor allem mit Leben erfüllt werden. Von 1732 bis heute zogen etwa 3500 Missionare zu Sklaven auf den Kleinen Antillen, zu Indianerstämmen Amerikas, zu den Inuit Grönlands, Labradors und Alaskas, zu Bergbewohnern West-Tibets im Himalaja, zu Ureinwohnern im Südhochland von Tansania und zu vielen weiteren Völkergruppen. Es waren anfangs zumeist Handwerker, später auch Kaufleute, Lehrer, Krankenschwestern und Theologen. Heute zählt die Brüder-Unität weltweit etwa 620 000 Gläubige. Aber noch immer ist Herrnhut das Zentrum der Gemeine. Hier werden alljährlich die Losungstexte für jeden Tag des Jahres gezogen und versandt. Dieses Losungsbüchlein, eine evangelische Andachtsschrift, wird von Christen in aller Welt dankbar angenommen.
Das Völkerkundemuseum in der Goethestraße, nach Umbauarbeiten jetzt wieder zugänglich, ist selbstredend mit dem Wirken der Brüdergemeine verbunden.
Der Besucher des Heimatmuseums in der Comeniusstraße erlebt die Schönheit der einstigen Herrnhuter Wohnkultur. Die gediegenen „Herrnhuter Schränke" fertigten einst mährische Tischler, hübsch auch das Biedermeier-Mobiliar, farbenprächtige Sonnenrollos, originale Tapeten und die von Buchbindern hergestellten Bilder aus Menschenhaar. Die jüngsten Besucher interessiert eher die Altherrnhuter Kinderstube mit Spielzeug aus dem 18. und 19.Jahrhundert.
Linden säumen den Weg zum Aussichtsturm auf dem nahen Hutberg. Die Gräber der Brüdergemeine - etwa 6000 Grabplatten liegen sämtlich zu ebener Erde - symbolisieren die Gleichheit nach dem Tode. Frauen und Männer ruhen getrennt. Vom Altan hat man einen weiten Blick über den Friedhof, die Dächer von Herrnhut bis zu den Gebirgen der Lausitz, Schlesiens und Böhmens.
Am Ortsausgang der Chaussee nach Ruppersdorf entstehen das ganze Jahr über die berühmten Herrnhuter Sterne. Zur Adventszeit erstrahlt die originale papierne Nachbildung des Sterns von Bethlehem mit 25 Zacken auf zahlreichen Kirchtürmen, in vielen Wohnstuben und als Fensterschmuck. Um 1850 bastelte ein Herrnhuter Mathelehrer mit seinen Schülern in Geometriestunden zum Veranschaulichen von Polyedern und Pyramiden viele Exemplare aus Papier: Setzte man jeweils einen Polyeder (vielflächigen Körper) und eine Pyramide zusammen, entstand daraus ein wunderbarer Stern. Das Zufallsprodukt wurde zu einer Leidenschaft, und fortan wollten viele Herrnhuter immer zur Weihnachtszeit den „Stern von Bethlehem" basteln. In der neuen Schauwerkstatt kann 'man zusehen, wie die Lausitzer Sterne entstehen.